Warum eigentlich analog?

„Warum eigentlich analog?” Diese oder ähnliche Fragen bekomme ich relativ häufig gestellt. Na gut, eigentlich bekomme ich sie immer gestellt. Gleichzeitig ist es aber auch diejenige Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist.

Ein Großteil meiner Fotos entsteht mittlerweile auf Schwarz-Weiß-Film. Das bedeutet, im Falle von Porträts, einerseits enormes Vertrauen der Menschen vor meiner Kamera und andererseits natürlich eine aufwendige Nachbereitung meinerseits. Der Weg von der Aufnahme bis zum Papier oder zur digitalen Datei ist alles andere als trivial und mit viel Zeitaufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. Warum tut man sich das also noch an?

Oft findet man sich plötzlich in einer Diskussion wieder, was denn jetzt eigentlich besser ist, digital, analog oder beides? Darum soll es an dieser Stelle aber nicht gehen, denn die Antwort lautet in aller Kürze: Weil es mir Spaß macht!

Ich fing vor ein paar Jahren an, mich mit der analogen Fotografie zu beschäftigen. Und das eigentlich nur, weil ich den Charme von analogen Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos sehr mochte. Sie waren nicht gestochen scharf, körnig, fehlerbehaftet und alles andere als glattgebügelt. Auch wenn ich noch zu der Generation gehöre, für die damals analoge Urlaubsfotos selbstverständlich waren, ist das Gefühl und die Vorfreude auf ein fertiges Foto im digitalen Zeitalter leider verloren gegangen. Da ich mittlerweile aber wusste, was eigentlich mit analogen Techniken, alten Kameras und Film möglich ist, sah ich darin eine Herausforderung für mich selbst. Ich besorgte mir also eine analoge Kamera, ein paar Filme und unternahm die ersten Gehversuche. Das Warten auf den entwickelten Film kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Als ich die fertigen Fotos dann in den Händen hielt, mochte ich die Ergebnisse sehr, auch wenn sie unscharf, unterbelichtet und alles andere als vorzeigbar waren. Immerhin bedeutete dies, dass die Kamera wenigstens noch funktionierte …

Um aber auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Ich habe für mich selbst festgestellt, dass ich durch die analoge Fotografie genau an die Art von Fotos komme, wie ich sie mag. Und nicht nur das! Denn ich habe das Gefühl, dass ich mich durch die analoge Arbeitsweise sehr viel mehr mit dem Menschen oder dem Motiv vor der Kamera auseinandersetze. Schließlich wird während der Aufnahmen keine Bildoptimierung anhand digitaler Vorschauen vorgenommen, sondern sich voll und ganz auf den Menschen / das Motiv und die Aufnahme konzentriert, und zwar bevor ein Bild entsteht. Diese langsame und ruhige Art zu Arbeiten spiegelt sich auch in den Ergebnissen wieder. Durch die begrenzte Anzahl an Fotos pro Film denkt man lieber zweimal nach, bevor der Auslöser gedrückt wird. Ich denke, dass sich so viel intensiver mit einer einzigen Aufnahme auseinandergesetzt wird und mit jedem einzelnen Foto ensteht ein kleines Unikat.

Ich habe für mich also eine wunderbare Art zu fotografieren entdeckt, die zu mir passt und mit welcher ich genau die Ergebnisse erziele, die mir Freude bereiten. Natürlich bin ich bereit all den zusätzlichen Aufwand in kauf zu nehmen und investiere dafür gerne entsprechend Zeit.